eine Kolumne von Jonas Sabri
Ende November letzten Jahres hat das chinesische Außenministerium einseitig bekannt gegeben, dass die Bürger von sechs Ländern, darunter auch Deutschland, 15 Tage lang visumfrei in die Volksrepublik einreisen dürfen. Der sonst recht komplizierte und teure (!) Prozess, ein Visum zu bekommen, wird dadurch deutlich vereinfacht.
Dank Studentenvisum bin ich schon seit Anfang September in Chengdu, der Hauptstadt der Provinz Sichuan im Südwesten des Landes und besuche hier die Sichuan Normal University. Hinter diesem, offensichtlich meisterhaft aus dem Chinesischen übersetzten Namen, verbirgt sich eine öffentliche, pädagogische Hochschule.
Wer auch China besuchen, oder dort studieren will, kann sich auf einen etwas holprigen Start gefasst machen. Obwohl sich das Land nach fast drei Jahren Covid langsam wieder für Touristen und internationale Studierende öffnet, ist es recht schwierig, ohne Sprachkenntnisse, chinesische Telefonnummer und WeChat zurechtzukommen.
Ich habe es, nach einem Tag hin und her, geschafft eine +86 Nummer zu bekommen.
Eine chinesische Nummer zu bekommen ist nämlich, besonders als Ausländer, ein Akt.
Kein Vergleich zur Wohnbescheinigung, für die man zwar extra zur Polizei gehen muss, die aber nur etwa fünf Minuten und zwei Unterschriften braucht. Die Handynummer ist direkt an einen Klarnamen gekoppelt und wird deshalb als Identifikationsmethode für von Museumstickets über Leihroller für so gut wie alles genutzt. Es braucht eine Wohnbescheinigung, einen Reisepass und am besten jemanden mit guten Chinesisch-Kenntnissen, um auch in die Ehre einer +86 Nummer und der damit verbundenen Vorteile zu kommen.
Bei der Telekomstelle angekommen, darf ich einen Text aufsagen, dessen Inhalt ich nur grob verstehe. Der ganze Prozess ist, was für China eigentlich untypisch ist, sehr ernst. Ich werde mit zwei Kameras gleichzeitig aufgenommen. Die Aufnahme wird von einer jungen Telekomangestellten angehört und auf Fehler überprüft.
Nach zwei Minuten Aufsagen stellt sich heraus, dass ich meine Telefonnummer nicht deutlich genug ausgesprochen habe. Ich darf also nochmal ran. Unterschrieben wird altehrwürdig und offiziell mit rotem Stempel. Wer, wie ich, keinen personalisierten Stempel für Verträge dabei hat, kann auch den Finger in rote Farbe tunken.
Auf meine Frage, was ich da genau akzeptiere, wird mir geantwortet: „Dass Sie nichts Schlechtes mit der Telefonnummer machen.“
Nachdem ich die Farbe von meinem Finger gewischt habe, mache ich mir den Rest des Tages Gedanken, was ich alles Schlechtes mit einer Telefonnummer anstellen könnte. Leider fällt mir nichts ein.
