gesehen: Umschlagplatz der Träume

Eine Reise durch die Geschichte des Hamburger Hafens, geleitet vom Klabautermann. (Foto: Oliver Fantitsch)

Schon immer war er ein Ort der Mythen und des Wandels – der Hamburger Hafen. Das Stück „Umschlagplatz der Träume“ nimmt das Publikum mit auf eine Reise durch 150 Jahre Hafengeschichte. Es feierte nun im Ernst Deutsch Theater seine Uraufführung.

Es riecht nach Wasser und Treibstoff, Möven kreischen, Segler und Barkassen schaukeln in den Wellen – Willkommen im Hamburger Hafen. Alle Jahre wieder feiert er seinen Geburtstag mit unzähligen Menschen aus aller Welt. Als Hommage an den Hafen entstand das Theaterstück aus der Feder von Erik Schäffler. Auch die Reederin Charlotte Tiedenbreuk (Mignon Remé) ist seit über 150 Jahren immer bei den Geburtstagsfeierlichkeiten dabei. Sie will ihre Aufgaben und ihren Hafen nicht loslassen, daher stirbt sie nicht. Begleitet, unterstützt aber auch immer wieder ermahnt wird sie vom Klabautermann (Sven Walser). Dieser Schiffskobold führt durch die Zeit und den Hafen.

Die Zeitreise beginnt im 19. Jahrhundert, als die damals 11-jährige Charlotte sehnsüchtig auf die Rückkehr ihres Vaters (Oliver Hermann) wartet, dessen Segelschiff mit Kakao zurückkehren soll. Die junge Charlotte will, entgegen der Vorstellung ihrer Mutter (Angelina Kamp) und der damaligen Konventionen selbst Reederin werden. Sie lernt zudem den etwa gleichalten Ketelklopper Klaas (Rune Jürgensen) kennen, der Kalk und Schmutz aus den Kesseln der Dampfschiffe klopft. Zwischen den beiden entspinnt sich eine nicht standesgemäße Liebe, die zwar zu der ein oder anderen unterhaltsamen Situation führt, jedoch im Laufe der Jahre unerfüllt bleibt.

Mithilfe des Klabautermanns erlebt das Publikum nicht nur Änderungen im Leben von Charlotte, sondern erfährt auch viel über die Entwicklung des Hafens und begegnet Großen Namen wie der Flotte der sogenannten Flying-P-Liner und den wichtigen Reedersfamilien.

Umbrüche und Umschläge

Nicht nur Charlotte Tiedenbreuk wandelt sich im Laufe des Stückes von einem lebensfrohen, neugierigen Mädchen zu einer ehrgeizigen jungen Frau, Mutter und schließlich erfolgreichen Reederin. Dass sie dabei immer verbissener und rücksichtsloser wird, zeigt nicht nur das überzeugende Schauspiel Mignon Remés, sondern auch der Klabautermann, der sie und ihre Familie stets begleitet und zu schützen sucht. Entsprechend der Stationen in Charlottes Leben gibt es auch im Hafen und in der Schifffahrt große Umbrüche, wie die Einführung der Dampf- und später der Containerschifffahrt, die beiden Weltkriege und den stetig wachsenden Termin- und Erfolgsdruck.

Das schauspielerisch starke Ensemble springt nicht nur durch verschiedene Epochen der Zeitgeschichte, bis auf Charlotte und den Klabautermann spielen auch alle Darsteller:innen verschiedene Rollen und wechseln diese gekonnt.

Geschichte auf der Bühne

Die zahlreichen Fakten, die „Umschlagplatz der Träume“ dem Publikum spielerisch und gleichzeitig einprägsam vermittelt, werden durch Lieder und Fotos begleitet. Mal besingt der Hafen sich selbst, dann wieder geht es um die aktuelle Situation der Figuren. Begleitet werden die Darsteller:innen dabei einerseits durch Musik von Band, andererseits auch live vom Bandoneon, gespielt von Christian Gerber. Das Bühnenbild bietet einen passenden Rahmen für das Geschehen. Containerstapel stehen zu beiden Seiten und dienen auch als Spielflächen. Eine Kaimauer teilt die Bühne und bietet den Darsteller:innen so eine weitere Ebene. Auf einer Leinwand werden im Laufe des Stücks historische Fotos und Bilder vom Hafen und dem umliegenden Gebiet gezeigt und vermitteln so einen weiteren Eindruck des Zeitverlaufs

Fazit

Erik Schäfflers Stück „Umschlagplatz der Träume“ ist in der Tat eine Hommage an den Hamburger Hafen. Es vermittelt dessen vielfältige und wechselvolle Geschichte eindrücklich und geschickt am Beispiel der so gut wie unsterblichen Reederin Charlotte Tiedenbreuk. Die vielen Fakten, die dabei angesprochen werden, fügen sich gut in die Handlung ein. Das Stück wirkt nicht überfrachtet, bietet einige Momente, die das Publikum zum Lachen bringen und trägt sich über die gesamte, etwa zweistündige Spielzeit. Nur zum Ende hin wird etwas durch die vergangenen Jahrzehnte galoppiert. Das starke Ensemble, insbesondere Sven Walser als Klabautermann und Mignon Remé als Charlotte bieten dem Publikum einen interessanten und auch für Hamburger:innen lehrreichen Theaterabend über ihren Hafen.

Darsteller:innenChristian Gerber, Oliver Hermann, Alina Hidic, Frank Jordan, Rune Jürgensen, Angelina Kamp, Mignon Remé, Markus Voigt, Sven Walser
RegieErik Schäffler
AusstattungMarcel Weinand
Komposition und musikalische LeitungMarkus Voigt

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