Am Karsamstag ging die Werkschau des Multigenre Labels „Gondwana Records“ in der Elbphilharmonie in die dritte Runde. Die internationalen Acts Caoilfhionn Rose, Hanakiv und Portico Quartet Ensemble bereiteten den Hamburger Zuschauer:innen Gänsehautmomente.
Ein Abend für das Saxophon
Sirenenhafte Klänge erfüllen den großen Saal der Elbphilharmonie, als am Karsamstag das Multigenre-Label „Gondwana Records“ aus Manchester mit seiner Werkschau in der Elbphliharmonie in Hamburg in die dritte Runde geht. Drei Acts dürfen die Zuschauenden im stimmungsvollen Lichtwechsel bestaunen: Caoilfhionn Rose, Hanakiv und das Ensemble Portico Quartet präsentieren im Stil einer Wohnzimmersession zeitgenössische und anspruchsvolle Stücke, die unter die Haut gehen. Die Künstler:innen spielen mit Elementen aus Jazz, Folk, Electro und Klassik. An diesem Abend verbindet sie vor allem das Saxofon.
Eine Überraschungsgästin: Jasmine Myra
Den Start am Instrument gibt hierbei Jasmine Myra, die Caoilfhionn Rose bei der ersten Liveperformance ihres neuen, im Mai 2024 erschienenen Albums „Constellation“ unterstützt. In harmonischem Zusammenspiel erkunden die beiden Frauen eine gefühlvolle und ätherische Welt.
Die klare Stimme von Caoilfhionn Rose bereitet Gänsehautmomente. Der komplexe und doch leichte Klang erhebt sich über die Zuhörer:innen. Mit dem Song „Josephine“ gibt die Künstlerin aus Manchester ain Foreshadowing auf ihr neues und vielversprechendes Album. Es folgt der Höhepunkt der Performance von Caoilfhionn Rose: Die Darbietung ihres 2021 erschienen Tracks „Garden“. Der Song fühlt sich an wie ein intimer Einblick in die Gedankenwelt der Künstlerin. Die auf dem Klavier begleitete, melancholisch erzählte Kindheitserinnerung fesselt die Zuschauer:innen und lässt tief ergriffen zurück.
Hanakivs Komposition versetzt in die Natur
Nach Caoilfhionn Rose betritt die estnische Komponistin und Musikerin Hanakiv die Bühne. Die mit Elementen der Klassik und elektronischen Einflüssen spielende Performance ihres Debut-Albums „Goodbyes“ wird von Pille-Rite Rei am Saxophon unterstützt. Hanakiv kommt ohne Stimme aus – nicht ein einziges Mal werden die Melodien durch gesungenes oder gesprochenes Wort unterbrochen. Ununterbrochen erfüllen die Töne fast 30 Minuten lang den Großen Saal. Ohne Unterlass bewegen sich die Finger der Künstlerin über die Tasten, während die Klänge des Saxophons mal an Walgesang, mal an Trompeten oder Flöten erinnern.
Einflüsse estnischer Traditionen und Hanakivs Liebe zur Natur malen musikalische Bilder, die blaugrüne Beleuchtung der Bühne tut ihr übriges, um die Zuschauer:innen an einen Ort unter Wasser oder in luftige Wälder zu versetzen. Die Darbietung startet leicht und schraubt sich zu einem dramatischen Stück, in dem die Musik einen fast cinematischen Charakter annimmt Zum Schluss verbeugen sich die beiden jungen Frauen und verlassen nüchtern die Bühne.
Finale des Abends: Portico Quartet Ensemble
Der Abschluss des Abends wird durch das Portico Quartet Ensemble aus London präsentiert. Acht Menschen stehen an diesem Abend für das Ensemble auf der Bühne. Neben den zwei Bandmitgliedern Duncan Bellamy und Jack Wyllie, die dem vieköpfigen Portico Quartet Ensemble angehören, unterstützt ein Streichquartett live die Performance des long-form Stückes „Terrain“.
Die knapp einstündige Darbietung nimmt die Zuschauer:innen mit auf eine Reise. Auch im finalen Teil des Abends wird durch Jack Wyllies Performance am Saxophon bewiesen, wie vielseitig das Instrument ist. Die zunächst sphärischen Klänge haben fast spirituellen Charakter, die sich langsam aufbauende Komposition besticht durch meditative Wiederholungen.
Trotz des experimentellen Klangs der Musik entsteht keine Disharmonie- dennoch entwickelt sich das Stück zu einer dystopisch anmutenden Melodie. Gegen Ende spielt sich schließlich das Streichquartett in den Vordergrund. Diese für das Portico Quartet Ensemble eher untypische Klassikreferenz entfaltet im großen Saal der Elbphilharmonie eine starke Wirkung. Nach Ende der musikalischen Terrainerkundung hallen Applaus und Pfiffe durch den Raum.
Gondwana Records kündigt nächste Show an
Auch im nächsten Jahr werden die Künstler:innen des
unabhängigen Labels aus Manchester in der Hamburger Elbphilharmonie auftreten. Gondwana
Records kündigte die nächste Werkschau für den 19.04.2025 an. Welche Artists
dann auf der Bühne stehen werden, ist vorerst ein Geheimnis. Eins dürfte
allerdings bereits feststehen: der Ticketkauf lohnt sich.
