gesehen: SAW X (2023)

Billy, Puppe aus SAW Billy, die Puppe, kehrt auch in SAW X wieder zurück. (Foto: Lionsgate / Alexandro Bolaños Escamilla

John Kramer (Tobin Bell) leidet an Krebs. Doch bei seiner Suche nach Heilung fällt er auf einen Betrug herein. Diese Ungerechtigkeit lässt der Konstrukteur der grausamen Jigsaw Fallen nicht auf sich sitzen und widmet sich seiner eigenen, verschrobenen Form der Selbstjustiz. Die Handlung findet zwischen den ersten beiden Filmen der Reihe statt und beleuchtet erstmals John Kramer als Protagonisten.

Die Grenzen des Sehbaren

In für die Reihe bester Manier, präsentiert auch „SAW X“ eine ganze Reihe an obskuren Fallen, die an Blutrünstigkeit und Schauder kaum zu überbieten sein dürften. So wird, wie schon auf dem Filmposter oder im Trailern zu sehen, einem von Kramers Opfern die Wahl geboten: Entweder er bricht sich fünf Finger oder ihm werden mittels einer Konstruktion aus Brille und einer Art Staubsauger die Augäpfel herausgesaugt. Das ganze natürlich in bester Saw Manier sehr expilzit und sehr viel Blut. Bei einer derartigen Visualisierung kann es auch mal passieren, dass es für kurze Zeit Not tut den Blick von der Leinwand abzuwenden und kurz zur Ruhe zu kommen.

Isan Beomhyun Lee as Janitor in Saw X. Photo Credit: Alexandro Bolaños Escamilla
Isan Beomhyun Lee as Janitor in SAW X (Foto: Alexandro Bolaños Escamilla)

Diese rohe Gewalt ist nicht für jede:n, doch im Vergleich mit den vorherigen Filmen bietet dieser Teil durchaus mehr emotionalen Tiefgang. So fühlt man regelrecht mit dem Charakter mit, nur fühlt man ausgerechnet mit dem grausamen John Kramer mit.

Eine zu lange Exposition, die sich lohnt

Die sich streckende Exposition lässt einen ganz nah an John Kramer heran, so verbringt man den ersten Teil des Films fast ausschließlich mit ihm und seinem durch den Krebs bevorstehenden Tod. Diesem Teil des Films wird sehr viel Raum gegeben, fast zu viel. Aber nachdem man so viel Zeit mit John Kramers Krebsleiden verbracht hat und man mit ihm Hoffnung auf Heilung schöpft, dann fühlt man umso mehr mit, wenn diese Hoffnung zunichte gemacht wird.

Obwohl die Grenzen Kramers nicht vollends getestet werden und moralische Konflikte angeschnitten aber nicht zu Ende gedacht werden, reicht dieser Grad an Tiefe, um die zwei Stunden Laufzeit kurzweilig zu halten.

Ebenso überzeugt Kramer als ein gefasster Bösewicht. In Zeiten, die von emotional aufgeladenen Bösewichten geprägt sind, ist es eine willkommene Abwechslung, Jigsaw als einen gefassten und kalkulierten Schurken auf der großen Leinwand zu sehen.

Wer also die alten „SAW“ Filme mag, sollte mit „SAW X“ nichts falsch machen. Aber auch mit der Reihe unvertraute, können sich an den Film wagen: John Kramer ist nahbarer als je zuvor und man benötigt kein Vorwissen, um der Handlung zu folgen. Aber eine Revolution des Horror-Genres ist der Film auch wieder nicht, er ist solide Unterhaltung für Freunde des Genres.

Zu spät für Halloween

Obwohl der Film in vielen anderen Ländern bereits Ende September startete, lässt er bei uns noch auf sich warten: In Deutschland erscheint der Film erst am 30. November 2023.

Dennoch: Einige Kinos zeigen ihn bereits in Sonderaufführungen pünktlich zu Halloween. Wenn du also noch ein wenig Horror und eine ordentliche Portion Splatter zu diesem Tag brauchst, dann solltest du mit diesem Film auf deine Kosten kommen.