Schwupps! zum Zweiten

Raum des Widerstands, RDW, Uni-Besetzung, Schwupps, Freiraum, UHH, Uni Hamburg Am Hauptcampus besetzt die Gruppe Schwupps! den Raum 0079 im VMP5. Dort soll ein Freiraum für Studierende und politische Gruppen entstehen.

Am Mittwoch unterbrach die autonome Klimagerechtigkeitsgruppe Schwupps! eine Rede des Unipräsidenten Hauke Heekeren auf dem Campusfeste und besetzte schließlich den Raum 0079 im WiWi-Bunker (VMP5). Dort soll ein neuer Freiraum für das politische Engagement von Studierenden entstehen. 

Hauke Heekeren wollte am 21. Juni eigentlich nur eine Rede auf dem Campusfest „Burger, Beats und Brause“ halten. Daraus wurde jedoch nichts: Die autonome Klimagerechtigkeitsgruppe „Schwupps!“ unterbrach die Rede, woraufhin Heekeren die Bühne schnell verließ. Die Musik wurde aufgedreht und übertönte die Studierenden. Die beließen es aber nicht dabei. Stattdessen besetzten sie im WiWi-Bunker (VMP5) den Raum 0079 und erfüllten ihre dritte Forderung aus der vergangenen Besetzung selbst. Schwupps! hatte im Rahmen des EndFossil-Besetzungsserie im Mai bereits den Hörsaal im VMP9 besetzt. Die Gruppe schloss sich den Forderungen nach einem Schuldenschnitt für den Globalen Süden und einer vergesellschafteten Energieproduktion von EndFossil an. Auf der Agenda standen außerdem die klimaneutrale Uni bis 2025, ein aufpreisfreies Deutschlandticket im Semesterbeitrag und als Drittes: Mehr Freiräume für die Studierenden.

Früher gab es mehr Freiräume

Diese letzte Forderung will sich die Klimagerechtigkeitsgruppe jetzt selbst erkämpfen. Denn die Verhandlungen mit der Uni gab es während der ersten Besetzung im Mai nicht so wirklich. Die Forderungen wurden vielmehr als unrealistisch abgetan, eine handfeste Perspektive auf einen Freiraum für die Studierenden bot das Präsidium nicht. Dabei gibt es an der UHH mittlerweile so wenig Freiräume wie seit Ewigkeiten nicht mehr. Der Philosophenturm hatte früher etliche Freiräume. Die Auslagerung an den Überseering 35 hat diese jedoch ausnahmslos verschwinden lassen. Jetzt, wo es nächstes Semester zurück in den Philoturm gehen soll, wurde den Studierenden nur ein Freiraum versprochen und auch dieses Versprechen ist wohl nicht in Stein gemeißelt. Die Entzerrung des Campus-Lebens durch weitere Renovierungen wie etwa im Pferdestall haben ihr Übriges beigetragen. 

Der Raum des Widerstands (RDW) soll jetzt ein Schritt sein, mehr politisches Engagement an den Campus zu bringen. Schwupps! schreibt, der Raum 0079 stehe fortan allen politisch interessierten Menschen und auch Gruppen offen, die sich organisieren wollen. Etwa zum Plena abhalten, Materialien lagern, zum Transpi-Malen, oder auch einfach um sich während des Unialltags zu vernetzen.

Keine Reaktion auf Schwupps!-Besetzung

Der besetzte Raum im WiWi-Bunker hat eine weitaus günstigere Lage als der zuvor besetzte Hörsaal im VMP9. Studierende laufen an ihm vorbei auf dem Weg zur Uni, zur Mensa, zur Stabi oder auf dem Rückweg nach Hause. Immer wieder bleiben Leute stehen und betrachten die Banner. Der Raum selbst wird immer gemütlicher eingerichtet: Sofas stehen in den Ecken, Getränke und Wasserkocher sind auch schon da. Der „Raum des Widerstands“ kann jedoch noch weitere Sachspenden gut gebrauchen. Auf der Tafel findet sich etwa eine Liste, die Putzsachen, Pflanzen, eine Kaffeemaschine oder einen Kühlschrank aufführt. Und natürlich: Noch mehr Sofas. 

Der "Raum des Widerstands" nimmt langsam Formen an, braucht jedoch weitere Sachspenden.

Die Studierenden richten sich also schon ein. Dabei hat die Uni – im Gegensatz zur ersten Besetzung – noch nicht einmal ein Statement zur Besetzung verlauten lassen. Auch die Besetzer:innen haben keinen Laut von der Uni vernommen, nachdem sie am Mittwoch die Rede vom Unipräsidenten Heekeren unterbrochen haben. Doch sollte die Besetzung des Raums 0079 sie eigentlich mehr stören als die des Hörsaals. Der neue Freiraum ist einer der größeren Räume des WiWi-Bunkers, schwer zu übersehen, hat viele Fenster und ist auch sonst gut ausgestattet. Außerdem nutzen den Raum Studiengänge, die die Uni traditionell mehr interessieren als die Geistes- oder Sozialwissenschaften.

Ob die Uni nun abwartet, dass die Studierenden die Besetzung von selbst wieder beenden, wie es bei der ersten Besetzung der Fall war? Dass sie das tun, ist unwahrscheinlich. Der RDW ist bereits von Anfang an als dauerhaftes Projekt gedacht, im Gegensatz zur temporären Hörsaal-Besetzung. Letzterer war auch deutlich schwerer zu halten als nun ein einzelner Raum. 

Werden Schwupps! und Freiraum geräumt?

Weil die Uni bisher noch nicht Position bezogen hat, ist unklar, welche Strategie das Präsidium mit den Besetzer:innen wählt. Studierenden einen Freiraum zu verweigern, obwohl diese Forderung für die Uni viel einfacher zu erfüllen ist, als etwa eine klimaneutrale Uni bis 2025, würde jedenfalls viel Unverständnis und Unmut nach sich ziehen. Eine Zusammenarbeit mit dem AStA, der den Raum mietet, wäre auf jeden Fall im Bereich des Möglichen. Allerdings waren die Verhandlungen während der vorangegangen Besetzung alles andere als erfolgreich. Wenn Hauke Heekeren sich von Schwupps! auf den Schlips getreten fühlt, könnte er die Besetzung räumen lassen. Mit dem Security-Personal dürfte das schwierig sein, eine polizeiliche Räumung erscheint aber angesichts der simplen Forderung nach einem Freiraum deutlich überzogen. Es würde ein fatales Signal an die Studierenden senden, denn Besetzungen waren schon immer ein Mittel, sich studentische Freiräume zu erkämpfen, die essenziell für ein Studierenden-Leben sind. 

Der „Raum des Widerstands“ (RDW) könnte bald Teil des Campus sein. Wenn die Uni mitspielt.

Ein Weg, der Uni zu zeigen, dass der „Raum des Widerstands“ bleiben soll, ist Teilhabe. Wenn der RDW gut besucht ist, tagsüber Studierende dort arbeiten, sich austauschen, oder aber politische und studentische Gruppen den Raum für ihr Engagement nutzen, wird der Freiraum schnell ein Teil des Unicampus werden. Vielleicht erkennt dann auch die Uni, dass ein weiterer Freiraum für ihre Studierenden etwas Gutes ist.