„World Menstruation Day“ – Von Handschuhen, Fäusten und Periodenblut

Der 28. Mai ist der „World Menstruation Day“ oder „Menstrual Hygiene Day“. Ziel ist es, Tabus rund um das Thema Periode zu brechen und durch schrittweise politische Veränderungen Mädchen und Frauen weltweit den Zugang zu sicheren Menstruationsprodukten zu gewährleisten. Ein wichtiges Thema, findet unsere Autorin.

Vorab eine Warnung: Ich blute, während ich diesen Text schreibe. Das merkt man aber nicht beim Lesen – versprochen. 

25.100 Studentinnen sind an der Universität Hamburg eingeschrieben, davon menstruieren gerade jetzt etwa 4400. Kein Wunder, dass die Mülleimer auf den Damentoiletten der Uni so häufig übervoll sind. 

Immerhin gibt es dort welche. Bei dem Versuch auf einer Toilette im Einkaufszentrum meinen Tampon zu wechseln, entdeckte ich in der Kabine nur eine Klobürste neben dem WC. Davor lag ein bunter Haufen aus Binden, Klopapier und einem Schwangerschaftstest. Weil ich meinen benutzten Tampon nicht auch noch dazu legen wollte, wickelte ich ihn in Toilettenpapier ein, biss die Zähne zusammen und warf ihn 63 Schritte weiter in einen Restmüllbehälter. Meine Faust eine klägliche Kampfmetapher: Nur nicht zu fest ballen, sonst tropft es.

Bild: Lisa Kahl

Am 28. Mai gibt der „World Menstruation Day“ Anlass zu gemeinsamen Widerstand gegenüber (Alltags-) Sexismus und struktureller Diskriminierung. Das Datum setzt sich aus der durchschnittlichen Zykluslänge (28 Tage) und der durchschnittlichen Menstruationsdauer (5 Tage) zusammen. Clever.  Im Jahr 2013 von der Berliner  Non-Profit Organisation „WASH-United“ initiiert, wird der Tag in diesem Jahr zum neunten Mal weltweit mit Veranstaltungen rund um das Tabu-Thema Periode gefeiert.

Eine solche Entstigmatisierung ist leider immer noch notwendig. Besonders jungen Mädchen graut es häufig vor dem verdächtigen Knistern der Bindenpackung und dem darauffolgenden Spott ihrer männlichen Klassenkameraden. Umso wichtiger ist es deshalb, dass auch Jungen sich bereits im frühen Alter an das Thema Menstruation gewöhnen. Hier sind Eltern und Lehrer:innen gleichermaßen in der Pflicht, das gesellschaftliche Schweigen zu brechen. 

Infomaterialien werden auf der offiziellen Website des „Menstrual Hygiene Day“ all denen kostenlos zur Verfügung gestellt, die diese nicht für Profite nutzen.

Ein guter Vorbehalt, denn natürlich lässt sich auch aus dem Thema Periode Kapital schlagen. Ähnlich dem Prinzip des „Greenwashings“ solidarisieren sich Firmen und Konzerne vermeintlich mit Problemen der Ungleichheit, um Gewinn zu erzielen. Ich erinnere an die „Pinky Gloves“, rosafarbene Einweghandschuhe, in welche Frauen ihre vollen Tampons einwickeln sollen um ihren männlichen Mitbewohnern den grausigen Anblick von Periodenblut im Badezimmermülleimer zu ersparen. Für diese Produktidee zahlte der Unternehmer Ralf Dümmel 2021 in der Vox-Sendung „Die Höhle der Löwen“ 30.000 Euro. Mittlerweile wurde das Unternehmen wieder vom Markt genommen – zurück bleibt ein Gefühl von Fassungslosigkeit: Wirklich?! Immer noch?!

Bild: Lisa Kahl

Aber sind wir mal ehrlich: So sehr ich mich über die Julians und Timos und Kristians ärgere, die lautstark darüber sinnieren, ob ich wohl meine „Erdbeerwoche“ habe, so frustrierend der Kauf überteuerter Menstruationsprodukte ist, im internationalen Vergleich schneidet Deutschland bei Weitem nicht am schlechtesten ab, wenn es um sichere Menstruation geht. 

Periodenarmut ist ein globales Problem. Mehr als 500 Millionen Mädchen und Frauen weltweit haben nicht die Möglichkeit, sicher zu menstruieren. Veränderung an dieser Situation entsteht nicht durch zynische Kommentare, sondern durch Aufklärungsarbeit, geleistet zum Beispiel von Initiativen wie der des „World Menstruation Day“ und eine schrittweise Dekonstruktion patriarchaler Unterdrückung.