Drei Tage voller Journalismus: Ein Festival in Innsbruck

Studierendenmagazine aus Deutschland, Österreich und der Schweiz teilten sich einen Stand in der Innsbrucker Innenstadt, um über ihre Arbeit zu informieren. (Foto: Friederike Schneider)

Journalist:innen aus aller Welt trafen sich vom 13. bis 15. Mai 2022 in Tirol. Inspiriert vom italienischen Journalismus-Festival „Internazionale a Ferrara“ haben Benedikt Sauer und Markus Schennach erstmals das „Journalismusfest Innsbruck“ organisiert. Kopfzeile war mittendrin.

Von Svenja Tschirner und Friederike Schneider

Mit rund neun Stunden Zugfahrt ist die Anreise von Hamburg nach Innsbruck zwar lang, aber nicht der weiteste Weg, den Teilnehmer:innen auf sich genommen haben, um beim ersten Journalismusfest in der Tiroler Stadt dabei zu sein. Es sind Vertreter:innen zahlreicher Medien aus Deutschland und Österreich wie der ZEIT, der Süddeutschen Zeitung, dem Standard oder dem Falter gekommen, Journalist:innen aus aller Welt, aber auch Aktivist:innen, Fotograf:innen, Filmemacher:innen, Autor:innen und viele andere Expert:innen. Insgesamt wirkten nach Angaben der Veranstalter:innen mehr als 100 Menschen aus 20 Ländern an dem Journalismus-Festival mit.

Nach der offiziellen Eröffnung am Freitagvormittag startete das Festival unter dem Eindruck des Krieges in der Ukraine und weltweiten Bedrohungen gegen die Pressefreiheit zunächst mit einem Gespräch über Hilfe für Journalist:innen im Exil. Damit begannen drei Tage voller Podiumsdiskussionen, Filmvorführungen, Buchpräsentationen, Ausstellungen und anderen spannenden Formaten.  

Transnationale Beziehungen und investigative Recherchen

Als ein Höhepunkt des vielfältigen Programms stellte sich bereits am Freitagabend die Live-Aufzeichnung einer Folge von „Servus. Grüezi. Hallo. Der transalpine Podcast“ heraus. Bereits eine Stunde vor Beginn bildete sich vor dem Veranstaltungsgebäude eine stetig länger werdende Schlange, ein Teil der Wartenden wurde am Ende enttäuscht und durfte nicht mehr in den Saal. Die drei ZEIT-Journalisten Matthias Daum, Florian Gasser und Lenz Jacobsen thematisierten in ihrem Gespräch einerseits auf sehr unterhaltsame Weise die Vor- und Nachteile des Tourismus in Innsbruck und Tirol. Im zweiten Teil diskutierten sie das vor kurzem von Reporter ohne Grenzen veröffentlichte neue Ranking der Pressefreiheit weltweit, in dem sowohl Österreich als auch die Schweiz wegen jüngster Gesetzesänderungen um einige Ränge nach hinten gerutscht waren.

Ein weiteres Highlight des Journalismus-Festivals folgte am Samstag. Zunächst wurde der Film „Hinter den Schlagzeilen“ unter der Regie von Daniel Sager gezeigt, der die Investigativ-Journalisten Frederik Obermaier und Bastian Obermayer bei verschiedenen Recherchen begleitet. Insbesondere das Ibiza-Video, dessen Veröffentlichung unter anderem zum Rücktritt des ehemaligen österreichischen Vizekanzlers Heinz-Christian Strache führte, spielt darin eine große Rolle. An die Filmvorführung schloss sich ein kurzes Gespräch mit den beiden Journalisten an. Anschließend sprachen sie in einer Podiumsdiskussion mit Falter-Reporterin Nina Horaczek über ihre Arbeit als Investigativ-Journalisten und über die gemeinsame Recherche in weltweiten Netzwerken, wie sie 2016 die Enthüllung der Panama Papers möglich gemacht hatte. Das Thema und vor allem die beiden Speaker, die zu den renommiertesten Investigativ-Journalisten Deutschlands zählen, stießen bei den Zuhörer:innen auf großes Interesse. Rund eineinhalb Stunden lang gewährten Obermayer und Obermaier Einblick in ihren Arbeitsalltag und ihre Projekte, unter anderem ihre neu gegründete Firma für Investigativ-Recherchen.

Journalismus von Studierenden

Einem Seminar an der Universität Innsbruck ist es zu verdanken, dass auch Journalismus von Studierenden auf dem Festival vertreten war. Neben den Magazinen Die Zeitlos und UNIpress aus Innsbruck und prisma von der Hochschule St. Gallen war auch Kopfzeile aus Hamburg dabei. Alle vier Studierendenmagazine präsentieren sich auf einem gemeinsamen Messestand in der Innsbrucker Innenstadt. Beim Verteilen von Print-Ausgaben, Flyern und Stickern gab es auch die Gelegenheit, sich über die Arbeitsweisen, Abläufe und Herausforderungen auszutauschen.

Den wichtigsten Programmpunkt aus Sicht der Studierenden bildete dann bereits am Freitagnachmittag eine Podiumsdiskussion zwischen den jeweiligen Chefredakteur:innen der Magazine. Nicole Kaßberger von Die Zeitlos, Jakob Häusle von UNIpress, David Irrgang von prisma und Friederike Schneider von Kopfzeile sprachen über die Rolle und das Selbstverständnis von Studierendenmagazinen, über die Beziehung zur Hochschule, Probleme und Herausforderungen, aber auch Zukunftsperspektiven und Möglichkeiten der Vernetzung.

Journalistische Vielfalt

Weitere auf dem Journalismusfest diskutierte Themen waren beispielsweise Whistleblowing, Klimawandel und -politik, Informationsfreiheit oder Menschenrechte. Über seine Arbeit im Nahen Osten, die von Konflikten und Gewalt, aber auch von Hilfsbereitschaft und Gastfreundschaft geprägt ist, berichtete Karim El-Gawhary, unter anderem Leiter des Nahostbüro des ORF, in eindrücklichen Worten.

Aus der Menge an Diskussionen, Filmen, Ausstellungen und anderen Programmpunkten zu wählen, fiel schwer. Das Journalismusfest Innsbruck zeigte in den drei Tagen eine große Auswahl an Perspektiven, Anwendungsfeldern und Netzwerken des Journalismus im internationalen Raum. Die verschiedenen Stände und Veranstaltungen verdeutlichten, was alles in diesem Berufsfeld möglich ist und welche Effekte guter Journalismus hat. Dennoch kamen auch kritische Aspekte und besorgniserregend Auswirkungen aktueller Ereignisse, wie beispielsweise die Einschränkungen der Pressefreiheit auch in Europa, zur Sprache. Für die Studierendenmagazine gab es nicht nur wertvollen Austausch, sondern auch die erneute Feststellung, schon als Studierende in einem spannenden und vielfältigen Beruf zu arbeiten.