Mit teuflischen Pferden über die Plattform

Düstere Träume und ein rotes Kussmundsofa, damit befasst sich das Stück des Jugendclubs Performance Plus. (Foto: Fabian Hammerl)

Wie sieht unsere Gegenwart aus? Verschiedene Gedanken dazu findet man in den kommenden Tagen auf den Bühnen des Ernst Deutsch Theaters. Denn dort feiern die Jugendclubs des Theaters vom 23. bis zum 26. Februar ihr plattform-Festival.

Immer wieder taucht im Ernst Deutsch Theater der Schriftzug „JETZT N!CHT“ auf. Dabei findet genau jetzt endlich wieder Theater statt, können endlich die Stücke, die für das plattform-Festival geprobt wurden, vor Publikum aufgeführt werden. In den kommenden vier Tagen sind aber nicht nur verschiedene Aufführungen zu sehen, es gibt auch Bühnenführungen und einen Schauspiel-Workshop.

Insgesamt hat das Ernst Deutsch Theater sieben Jugendclubs, sechs von ihnen wirken bei der Gestaltung des Festivals mit. Bei der Eröffnung treten unter anderem der Jugenclub Basis mit Schauspieler:innen zwischen zwölf und vierzehn Jahren, und der Jugendclub TheaterPlus auf. In diesem spielen hörende und nicht hörende Jugendliche gemeinsam, erklärt Theaterpädagogin und Festivalleiterin Mia Massmann. Den ganzen Eröffnungsabend begleiten zudem zwei Gebärdensprachdolmetscherinnen.

Dunkle Träume

Auch der Jugendclub Performance Plus, dessen Mitglieder zwischen 17 und 23 Jahren alt sind, wirkt an diesem Theaterabend mit. Der Club probe seit dem Sommer an einem selbstgeschriebenen Stück, sagt Leiterin Gesche Lundbeck. Es beruhe auf Traumprotokollen einer ehemaligen Spielerin, deren Spitzname „Devil Horse“ war. Die Darstellerin spielte lange im Club mit, zog dann aber zum Studium weg und stellte ihre Aufzeichnungen zur Verfügung, so Lundbeck. Die Clubmitglieder setzen sich nun mit dieser Parallelwelt der Nacht auseinander. Das Thema sei interessant, „weil in den Träumen sehr viel verarbeitet wird, was wir jetzt gesellschaftlich erleben, aber in sehr abstrusen und auch dunklen Bildern.“

Die düstere Atmosphäre erwähnt auch Line Ott, eine der Schauspielerinnen des Clubs. Es gebe aber ebenso ein Kussmundsofa auf der Bühne. Sie betont auch: „Pferde spielen auf jeden Fall eine wichtige Rolle. Wir tragen Pferdemasken, die sich durch das ganze Stück ziehen.“ Für Gesche Lundbeck stellen die Pferde das Innenleben von „Devil Horse“ dar. Das Stück bestünde aber nicht nur aus Traumprotokollen, erläutert sie weiter. „Wir arbeiten sehr frei, das heißt, wir haben etwa 50 Träume, aus denen wir einige ausgewählt haben.“ Manche der Texte seien auch noch während der Arbeitsphase an dem Stück entstanden und bildeten eine Metaebene, in der gelegentlich über Träume geredet würde.

Endlich auf der Bühne

Alle Mitglieder des Clubs freuen sich, das Stück jetzt vor Publikum spielen zu können. Eine der Schauspielerinnen ergänzt, sie freue sich am meisten auf die Drehbühne, die zum Einsatz kommen wird. Einer ihrer Kollegen erklärt: „Wir waren bis jetzt noch nicht so viel auf der großen Bühne und ich bin sehr gespannt, wie das Stück auf alle wirken wird, wie sich das anfühlen wird, dort zu spielen.“ Marthe Timm, die ebenfalls im Jugendclub Performance Plus mitspielt, meint: „Ich habe aber ein bisschen Angst, dass man mit den Masken dann doch nicht alle Reaktionen des Publikums mitbekommt“. Eine andere Schauspielkolleg:innen wünscht sich, dass Festivalenergie aufkommt. „Das mag ich am Festival immer am liebsten, wenn richtig viele junge Leute da sind, alle sind sehr aufgeregt und begeistert.“, sagt sie.

Die Jugendclubs bedeuten für die jungen Schauspieler:innen einen besonderen Raum zu haben, „in dem wir Kunst machen können, ohne, dass professional machen zu können.“, erklärt Marthe Timm. Eine weiteres Clubmitglied ergänzt, es sein ein sehr geschützter Raum, in dem jede:r sich ausprobieren und fallen lassen könne. „Was einem an Ideen und Gedanken im Kopf herumschwirrt kann man mit dahinnehmen und verarbeiten und schaut gemeinsam, was daraus wird.“ Vom 23. bis zum 26. Februar werden die Jugendclubs nun das Ernst Deutsch Theater für sich erobern und verschiedene Stücke zeigen. Dabei gelten sowohl vor als auch hinter der Bühne die 2G plus-Regeln. Nur auf der Bühne nehmen die jungen Darsteller:innen die Schutzmasken ab, um in ihre Rollen zu schlüpfen.

Das Programm des Festivals:
Mittwoch 23. Februar 202219.00 Uhr Festivaleröffnung auf der Hauptbühne
Donnerstag 24. Februar 202210.00 Uhr Bühnenführung auf der Hauptbühne
19.00 Uhr „Was ihr wollt“ auf der plattform-Bühne
Freitag 25. Februar 202210.00 Uhr Bühnenführung auf der Hauptbühne
10.00 Uhr Schauspiel-Workshop auf der plattform-Bühne
19.00 Uhr ‚Face2Space‘ & ‚Kaleidoskope kommen‘ auf der plattform-Bühne
Samstag 26. Februar 202219.00 Uhr ‚Bodybild‘, ein Jugendgroßprojekt auf der Hauptbühne