gefragt: Wir sind unfassbar gewachsen

Ende Februar erobern die Jugendclubs des Ernst Deutsch Theaters das Haus. (Bild: Ernst Deutsch Theater)

Was ist jetzt gerade, in diesem Moment, gegenwärtig? Das fragen sich die Jugendclubs des Ernst Deutsch Theaters während des plattform-Festivals vom 23. bis 26. Februar. KOPFZEILE hat Festival-Organisatorin Mia Massmann und Gesche Lundbeck, Leiterin von zwei Jugendclubs, getroffen.

Kopfzeile: Das diesjährige plattform-Festival hat Gegenwart zum Thema. Wie seid ihr auf dieses Überthema gekommen?

Mia Massmann: Das ist das plattform-Spielzeitmotto und kommt vom plattform-Team, von der Jugendsparte. Wir haben pro Spielzeit immer ein Motto. Das überlegen wir uns, wenn das vergangene Festival vorbei ist. Wir überlegen, was uns gerade passend erscheint für das Jahr, was Impulse sind, die wir aufgreifen möchten. Gegenwart ist ein Thema, zu dem man sehr viel finden kann. Das ist bewusst so gewählt, damit unsere verschiedenen Jugendclubs alle Freiheiten haben, sich darunter etwas Eigenes zu erarbeiten. Es soll einfach nur ein kleiner Rahmen sein. Man darf damit aber auch spielen. Wir haben eine Gruppe, die nicht Teil des Festivals ist, die sich aber mit Warten, im Sinne von Gegen – Warten, beschäftigt.

Gesche Lundbeck: Ich habe mich absichtlich nicht für große Gegenwartsthemen wie Gender oder Klima entschieden, weil ich, auch wegen der Corona-Situation, mit den Jugendclubs in den fantastischen Raum gehen wollte. Trotzdem sehen die Zuschauer:innen es mit den Augen des Tages an, versuchen, dort Dinge zu erkennen und dann sind die Themen auf einmal wieder da.

Kopfzeile: Wie lief die Organisation des Festivals? Der Corona-Aspekt spielt schließlich immer noch eine Rolle?

Gesche Lundbeck: Wir haben in diesem Jahr schon viel besser und auch ‚in Echt‘ proben können. Im vergangenen Jahr mussten wir lange digital proben. Wir haben von Anfang der Proben an mit 2G plus gespielt, das heißt, wir konnten jedes Mal getestet und geimpft ohne Abstand und ohne Maske proben. Wir mussten keine Probe komplett sperren, allerdings war sehr stark zu spüren, wie oft Leute in Quarantänesituationen waren oder wegen Erkältungssymptomen gefehlt haben. Eigentlich war es manchmal fast schwieriger als im vergangenen Jahr. Corona spielt weiter eine Rolle. Es ist nicht einfach, aber wir genießen es trotzdem, dass wir so spielen können. Digital ist es wirklich ermüdend auf Dauer. Wenn Schule und Hobby digital sind, kann es das einfach nicht auf lange Zeit ersetzten.

Kopfzeile: Im vergangenen Jahr fand auch das plattform-Festival digital statt. Wie war es, wieder vor Ort, im Theater zu spielen?

Gesche Lundbeck: Wir haben vergangenes Jahr auch etwas aufgeführt und gestreamt, aber wir mussten Abstandsregeln einhalten, wenn laut gesprochen, gesungen oder getanzt wurde. Das ist natürlich etwas ganz anderes, als wenn zwei Körper richtig nahe miteinander verschmelzen. Und trotzdem merken wir noch, dass es uns sehr schwerfällt, dass wir wieder umdenken und das wieder uns wieder nahekommen dürfen. Diese Begegnungssachen setzen wir noch nicht so häufig ein wie vorher.

Kopfzeile: Es ist inzwischen das 19. Plattform-Festival. Wie ist das Konzept entstanden, dass mehrere Jugendclubs für vier Tage zusammen dieses Festival machen? Was bedeutet es für euch?

Mia Massmann: Wir sind unfassbar gewachsen, vom ersten Festival, bei dem es einen Jugendclub gab, bis jetzt, wo wir sieben Jugendclubs haben. Wir haben eine sehr große Jugendsparte, auch für ein Privattheater, was an sich nicht so groß ist. Wir sind unfassbar stolz und wollen das auch zeigen. Deswegen sind es auch vier Tage, die wir hier das ganze Theater bevölkern. Wir haben da mittlerweile auch einen sehr hohen künstlerischen Standard erarbeitet, glaube ich.

Gesche Lundbeck: Ich habe auch das Gefühl, dass die Theatersprache in den Clubs sehr unterschiedlich ist. Sehr schön am Ernst Deutsch Theater ist, dass es ein bisschen so aufgeteilt ist, dass man verschiedene Arten des Theaters kennenlernen und auch ausprobieren kann. Die Produktionen sind auch gewachsen. Sie werden immer besser, weil wir das alle schon länger machen. Die Stile der einzelnen Gruppenleitungen zeigen sich auch mehr als am Anfang.

Das Programm des Festivals:
Mittwoch 23. Februar 202219.00 Uhr Festivaleröffnung auf der Hauptbühne
Donnerstag 24. Februar 202210.00 Uhr Bühnenführung auf der Hauptbühne
19.00 Uhr „Was ihr wollt“ auf der plattform-Bühne
Freitag 25. Februar 202210.00 Uhr Bühnenführung auf der Hauptbühne
10.00 Uhr Schauspiel-Workshop auf der plattform-Bühne
19.00 Uhr ‚Face2Space‘ & ‚Kaleidoskope kommen‘ auf der plattform-Bühne
Samstag 26. Februar 202219.00 Uhr ‚Bodybild‘, ein Jugendgroßprojekt auf der Hauptbühne