Endlich 2G – und jetzt?

Ab sofort dürfen nur noch Geimpfte und Genesene an Präsenzveranstaltungen teilnehmen. Doch als Weg zu mehr Normalität in der Lehre reicht das nicht aus. (Foto: Alexandra Koch/pixabay)

Mit der neuen 2G-Regelung will die Universität Präsenzlehre dauerhaft ermöglichen. Dazu gibt es aber bisher wenig Konkretes. Wer in diesem Semester die UHH von innen sehen will muss Einsatz zeigen – das gilt für Lehrende und Studierende.

Die 2G-Regelung ist endlich da. Am vergangenen Montag verkündete die Vizepräsidentin der Universität Hamburg, Susanne Rupp, die neue Vorgabe per Rundmail. Es dürfen „ab dem 6. Dezember 2021 ausschließlich geimpfte und genesene Studierende und Lehrende an Präsenzveranstaltung teilnehmen“. Eine klare Ansage? Ein indirekter Impfzwang? Mitnichten.

Zum einen gibt es Ausnahmen: „Für praktische Lehrveranstaltungen (Laborpraktika, sportpraktische Lehrveranstaltungen) gilt weiterhin die 3G-Regel“, heißt es weiter im Rundschreiben. Und, viel wichtiger: Für Studierende, die weder geimpft noch genesen sind, müssen „geeignete Ersatzangebote erbracht werden“. Diese Formulierung stammt nicht von der Vizepräsidentin, sie steht so in der 55. Änderung der Verordnung zur Eindämmung der Ausbreitung des Coronavirus SARS-CoV-2 in der Freien und Hansestadt Hamburg. Ganz konkret bedeutet das: Soll eine Veranstaltung in Präsenz stattfinden, muss auch eine digitale Teilnahme möglich sein. Das Stichwort heißt „hybride Lehre“ und ist eine Herausforderung. Sowohl für die Lehrenden als auch die Studierenden.

Hybrid statt nur digital

Zunächst einmal das Wichtigste: Dass die Präsenzlehre angesichts der Omikron-Variante und explodierender Inzidenzzahlen mit Vorsicht zu genießen ist, ist völlig richtig. Genauso richtig ist es, dass Studierende und Lehrende gerade vor Weihnachten die Risikopatient:innen aus ihrer Umgebung nicht gefährden wollen und daher Präsenzveranstaltungen meiden. Und auch die Studierenden und Lehrenden, die noch keine Impfung erhalten haben, müssen – solange es keine Impfpflicht gibt – die Möglichkeit bekommen, ihrem Beruf und ihrem Studium nachzugehen. Die Zahl derjenigen unter uns, die sich einer Impfung verweigern, ist glücklicherweise gering. Laut einer Umfrage des AStA waren zu Semesterbeginn 81 Prozent der Hamburger Studierenden geimpft, seitdem können es nur mehr geworden sein.

Dennoch sollte es das Ziel der UHH sein, ihre Studierenden am Campus zu unterrichten und nicht in deren eigenen vier Wänden. Der erste Schritt dazu ist die 2G-Regelung am Campus, die – und hier muss die Universität sich deutlich verbessern – auch klar kontrolliert werden muss. Wenn die Impfausweise ähnlich lückenhaft kontrolliert werden wie der Campus-Pass, dann wird aus der strengen Regelung schnell eine Farce – und reine Symbolpolitik. Zudem muss die Universität ihren Lehrenden besser dabei zur Seite stehen, hybride Angebote zu entwickeln. Sicher kann es keine „one fits all“-Lösung für alle Fachbereiche geben, aber zumindest Konzepte für die häufigsten Veranstaltungsformen müssen entwickelt werden. Sonst kocht jeder Fachbereich – im schlimmsten Fall jede:r Lehrende – sein eigenes Süppchen und das endet, so war es in den letzten Wochen häufig zu sehen, zum Großteil in der rein digitalen Lehre. Auch dann wird die 2G-Regelung zur reinen Symbolpolitik. Nach eineinhalb Jahren Pandemie kann das nicht die Lösung sein.

Einsatz zeigen für Präsenzveranstaltungen

Denn bei aller Rücksicht auf diejenigen, die die Ansteckung fürchten oder sich der Impfung immer noch verweigern, gilt es auch diejenigen zu beachten, die nun bald seit zwei Jahren – mit kurzer Unterbrechung – ihr Studium vor dem eigenen Rechner im WG-Zimmer, der Studibude oder noch im elterlichen Kinderzimmer verbringen. Mehrere Umfragen deuten auf eine erhöhte Gefahr von Depressionen und Vereinsamung von Studierenden während der Pandemie hin. Laut einer Studie des dänischen Happiness Research Institute fühlten sich weltweit ein Drittel der 18-24-Jährigen während des ersten Lockdowns einsam. Menschen, vor allem junge, die nicht in einer gefestigten Familienstruktur leben und teils auf wenigen Quadratmetern studieren, essen, schlafen und leben, brauchen den Austausch und Kontakt mit anderen. Und wo, wenn nicht an der Universität, sollen Studierende genau diese Kontakte finden? Die digitale Lehre mag in der Lage sein, Frontalunterricht zu ersetzen. Was sie nicht ersetzen kann, ist die spontane Unterhaltung zwischen den Veranstaltungen, das gemeinsame Mittagessen in der Mensa oder den kollektiven Gang zur nächsten Haltestelle.

Dies zu ermöglichen, ohne die Sicherheit der Studierenden außer Acht zu lassen, muss das Ziel der nächsten Wochen sein, bis die vierte Welle hoffentlich irgendwann wieder abebbt. Das fordert Einsatz von den Lehrenden und der Universität. Es muss sinnvolle Konzepte für die hybride Lehre geben – und die technische Ausstattung, diese umzusetzen. Es fordert aber auch Einsatz von den Studierenden. Zunächst einmal von all denen, die immer noch nicht geimpft sind, obwohl sie könnten, dies endlich nachzuholen und so den Weg zurück in die Normalität für die ganze Gesellschaft zu ebnen. Aber auch diejenigen, die geimpft oder genesen sind, und deswegen nur ein geringes Risiko einer schweren Infektion tragen und keine Risikokontakte haben, müssen Einsatz zeigen. Wer nämlich einzig aus Faulheit den Präsenzveranstaltungen fernbleibt und die digitale Variante wahrnimmt, der symbolisiert eine fehlende Nachfrage nach Präsenz. Das zeigt den Lehrenden, dass hybride Angebote nicht angenommen werden und führt damit direkt wieder zurück zur digitalen Lehre. Es mag pathetisch klingen, aber es ist unsere Pflicht, den Campus wieder mit Leben zu füllen, um wieder ein Stück Normalität zu schaffen. Und es ist die Pflicht der Universität zu gewährleisten, dass diese Normalität so sicher wie möglich ist. Dafür gilt es, konkrete Pläne und Ideen vorzulegen und sich nicht hinter Paragraphen und theoretischen Möglichkeiten zu verschanzen. Die Rundmail vom vergangenen Montag weckt dafür leider wenig Hoffnung.