gelesen: Kommt ein Syrer nach Rotenburg (Wümme)

Samer Tannous und Gerd Hachmöller beschreiben sie, die Eigen- und Besonderheiten der deutschen und arabischen Kultur. (Foto: Svenja Tschirner)

Mülltrennung, absolute Pünktlichkeit und ein immer griffbereiter und voller Terminkalender – so sind sie, die Deutschen. Zu Klischeehaft? Vielleicht, aber irgendwoher müssen diese Klischees ja stammen und so weit hergeholt sind sie gar nicht. Das stellt zumindest Samer Tannous fest und beschreibt gemeinsam mit Gerd Hachmöller seinen neuen (deutschen) Alltag.

Wie viele seiner Landsleute floh Samer Tannous mit seiner Familie während des Bürgerkrieges aus Syrien. In seiner neuen Heimat in Rotenburg an der Wümme sucht und findet er bald Anschluss, stößt jedoch gleichzeitig auf so manche Eigenheiten der Deutschen, entdeckt Unterschiede zwischen der deutschen und der arabischen Kultur. Gemeinsam mit seinem Freund Gerd Hachmöller, den er bei einer Feier des deutsch-französischen Partnerschaftsvereins kennen lernte, verfasste er über diese mehr oder weniger alltäglichen Begegnungen Kolumnen, die zunächst bei Spiegel+ und nun in Buchform erschienen sind.

In ihren Kolumnen, geschrieben aus der Sicht von Samer Tannous, begegnen die Leser:innen aber nicht nur der ein oder anderen deutschen Eigenheit, sie lernen auch die arabische Kultur etwas genauer kennen. Die beiden Autoren und Freunde widmen sich dabei allen möglichen Bereichen. Von Sprache über Kindererziehung oder den Besuch bei Freunden und die Bewirtung von Gästen hin zu Liebe, Sexualität oder Autofahren thematisieren sie einen bunten Reigen von Momenten des (alltäglichen) Lebens. Und auch Corona spielt in den Texten gelegentlich eine Rolle.

Vorprogrammierte Verwirrung?

Laut Samer Tannous ist zum Beispiel die arabische Sprache sehr viel blumiger ist als die Deutsche. In Deutschland lautet die übliche Antwort auf „Guten Morgen“ automatisch „Guten Morgen, aber „Wenn man in Syrien ‚Guten Morgen‘ sagt, antworten wir mit ‚Morgen des Lichts!‘ oder ‚Morgen des Jasmins!‘“, schreibt er.

Insgesamt sei die Art, sich in Deutschland zu begrüßen komplizierter als wir ahnten, berichtet Tannous. Denn mit einem Handschlag ist es nicht getan, die Begrüßung variiert zwischen Personen und Situationen, die den deutschen Leser:innen vielleicht in dieser Art gar nicht mehr auffallen. Aber gegen eventuelle Verwirrung nennt Samer Tannous einen einfachen Trick.

Deutsche Sprache…

…Schwere Sprache – das ist vielen bewusst. In ihren Texten gehen Samer Tannous und Gerd Hachmöller immer wieder darauf ein. So könnte unsere Art, Verben zu trennen, beispielsweise ein Ausdruck unserer Verbindlichkeit sein. Und auch wenn die deutsche Sprache kaum Probleme mit eher komplizierten Satzkonstruktionen zu haben scheint, tut sie sich wohl mit der Kommunikation in Sachen Liebe eher schwer.

Die Kolumnen lassen sich gut lesen. Sie sind meistens kurz, gleichzeitig gehaltvoll und pointiert geschrieben. Der eine oder andere Vergleich der Kulturen und Sprachen oder Bericht von Erlebtem lässt schmunzeln oder auflachen. Bereichert werden die Texte zudem durch immer wieder eingestreute Zitate arabischer Philosophen oder aus Liedtexten, die das Geschriebene unterstreichen.

Fazit

„Kommt ein Syrer nach Rotenburg (Wümme)“ sammelt die unterhaltsamen, interessanten und lehreichen Kolumnen von Samer Tannous und Gerd Hachmöller. Diese liefern einen erfrischenden Blickwinkel auf deutsche Eigenarten und Einblicke in die arabische Kultur, die auch dazu beitragen können, das ein oder andere Missverständnis aus dem Weg zu räumen und mehr Verständnis zu schaffen.

AutorenSamer Tannous und Gerd Hachmöller
VerlagSpiegel Buchverlag
Preis10,00 Euro
Seitenzahl249 Seiten