So geht es im Wintersemester an der Uni Hamburg weiter

Nachdem die Hörsäle drei Semester lang leer blieben, sollen im Herbst wieder Studierende an die Hochschulen zurückkehren. (Foto: Michal Jarmoluk/Pixabay)

Gibt es im Wintersemester wieder Präsenzlehre oder kommt das nächste Online-Semester? KOPFZEILE hat sich bei den verschiedenen Fakultäten umgehört.

Ende Juni teilte das Präsidium der Universität Hamburg mit, dass im Wintersemester voraussichtlich wieder Präsenzveranstaltungen möglich sein werden. Unklar ist jedoch, in welchem Umfang. Das Semester werde „noch keine vollständige Rückkehr zur Normalität bringen“, heißt es in dem Schreiben. Geplant wird daher in den meisten Fächern mit einer Mischung aus Präsenz, digitalen und hybriden Angeboten.

Was zunächst allgemein gilt: Alle Planungen sind im Moment vorläufig, denn bisher ist noch nicht absehbar, unter welchen gesetzlichen Auflagen im Wintersemester Hochschullehre stattfinden kann. Alle Fakultäten betonen auf unsere Anfrage, es sei entscheidend, dass keine Abstandsregeln mehr gelten. Sollten zwischen Studierenden und Lehrenden 1,5 oder 2 Meter Abstand eingehalten werden müssen, stoßen die räumlichen und personellen Kapazitäten an Grenzen. Derzeit wird davon ausgegangen, dass auch für Hochschulen die sogenannte 3G-Regel gelten wird. Das würde bedeuten, dass Studierende für die Teilnahme an Lehrveranstaltungen eine vollständige Impfung, den Genesenenstatus oder einen aktuellen negativen Corona-Test nachweisen müssen. „Dafür müssen gerade noch die rechtlichen Rahmenbedingungen geschaffen werden und wir brauchen noch die technische Lösung, um das möglichst schnell kontrollieren zu können“, sagt Katharina Kleinen-von Königslöw, Prodekanin für Studium und Lehre an der Fakultät für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften. Weiterhin ist denkbar, dass Präsenzveranstaltungen nur bis zu einer bestimmten Anzahl an Teilnehmenden gestattet werden. Dann würden insbesondere Vorlesungen in großen Studiengängen wieder digital stattfinden.

So sieht es in den verschiedenen Fakultäten aus:

Fakultät für Rechtswissenschaft

Grundsätzlich ist geplant, so viele Veranstaltungen wie möglich in Präsenz anzubieten. „Durch den Wegfall der Abstandsregeln ist es möglich, die reguläre Kapazität der Hörsäle und Seminarräume wieder voll auszulasten“, teilte das Dekanat auf Anfrage mit. Gleichzeitig soll aber das gesamte Curriculum parallel digital studierbar bleiben. Das kann entweder bedeuten, dass es zu einer Präsenzveranstaltung ein synchrones oder asynchrones Digitalangebot gibt, oder dass bei mehreren inhaltlich entsprechenden Lehrveranstaltungen wie Arbeitsgemeinschaften einige in Präsenz und andere digital stattfinden. Außerdem können Lehrende, die zu Risikogruppen gehören, selbst entscheiden, ihre Veranstaltungen digital anzubieten. Dementsprechend will die Fakultät bei der Lehrplanung darauf achten, dass Studierende genügend Zeit haben, von einer Präsenzveranstaltung in eine Digitalveranstaltung zu wechseln, also zum Beispiel nach Hause zu fahren. Auch deshalb könne es im Einzelfall sein, dass Lehrveranstaltungen nur digital angeboten werden. Bei digitalen Veranstaltungen sei „darauf zu achten, dass Studierende aus Risikogruppen hier bevorzugt berücksichtigt werden.“

Fakultät für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften

In den drei Fachbereichen der Fakultät seien für das Wintersemester zwischen der Hälfte und zwei Dritteln der Veranstaltungen in Präsenz geplant, erklärt Katharina Kleinen-von Königslöw, Prodekanin für Lehre. Wenn die Kurse zur Anmeldephase in Stine eingestellt werden, soll klar sein, welche Veranstaltungen digital und welche in Präsenz stattfinden. „Das ganz klare Ziel ist jetzt, Präsenzveranstaltungen anzubieten“, sagt Kleinen-von Königslöw. Das bedeute aber auch: „Wenn Veranstaltungen in Präsenz angekündigt sind, dann sind sie nicht mehr digital studierbar.“ Dennoch sollen auch positive Erfahrungen mit digitalen Tools weiterhin in die Lehre einfließen. Bei Präsenzveranstaltungen werde es auch eine Rückkehr zur Anwesenheitspflicht geben. Es werde zwar Möglichkeiten geben, weiter rein digital zu studieren. Wenn es zum Beispiel mehrere parallele Veranstaltungen gibt, dann werde mindestens eine davon digital sein. Aber die Studierenden hätten keinen Anspruch auf digitale Studierbarkeit in allen Studiengängen und Studienphasen. Bisher ist laut Kleinen-von Königslöw nicht geplant, Studierende aus bestimmten Gründen bei den digitalen Kursen zu bevorzugen. Zudem hält es die Studiendekanin für denkbar, dass Veranstaltungen mit mehr als 50 Teilnehmenden im Wintersemester doch noch nicht in Präsenz gestattet sind und wieder in digitale Formate überführt werden.

Fakultät für Mathematik, Informatik und Naturwissenschaften

Die Fakultät plane überwiegend mit Präsenzlehre, heißt es aus dem Dekanat. „Die Entscheidung, inwieweit Präsenz geplant bzw. auf hybride bzw. Blended-Learning-Formate gesetzt werden soll, wird individuell geprüft und abgestimmt.“ Eine Umstellung zurück auf digitale Lehre müsse weiterhin möglich bleiben, falls die Pandemie-Lage sich ändere. Bei einer Mischung aus digitaler und Präsenzlehre soll vor allem für Studierende in den ersten Semestern die Teilnahme an Präsenzveranstaltungen möglich. Auch an dieser Fakultät sollen die Termine der Lehrveranstaltungen aufeinander angestimmt werden, sodass Studierende gegebenenfalls digitale und Präsenzangebote zeitlich kombinieren können.

Fakultät für Geisteswissenschaften

„Wir sind als Fakultät selbstverständlich daran interessiert, dass wir so viel präsentischen Lehrbetrieb wie möglich anbieten können“, sagt Christoph Dartmann aus dem Studiendekanat. Es wird derzeit mit einer Mischung aus Präsenzveranstaltungen, synchroner und asynchroner digitaler Lehre geplant. Vor Beginn der Anmeldephase in STiNE soll feststehen, welche Veranstaltungen in welchem Format stattfinden, sodass Studierende sich bei der Zusammenstellung des Stundenplans daran orientieren können. So soll auch Studierenden, die beispielsweise nicht in Hamburg wohnen oder die aufgrund ihrer persönlichen Situation nicht an Präsenzveranstaltungen teilnehmen können, eine entsprechende Planung ermöglicht werden. Die Berechenbarkeit für Studierende sei ein zentrales Ziel, so Dartmann. Falls zu Semesterbeginn doch wieder Abstandsregeln gelten würden, wären nur rund 10 Prozent der Veranstaltungen in Präsenz durchführbar. „Dann würden besonders Veranstaltungen für Studierende in den ersten Semestern oder solche mit hohem Praxisanteil zum Teil in größere Räume verlegt werden, um unter der Wahrung der Anstandsregeln trotzdem Präsenzlehre anbieten zu können“, erklärt Dartmann. Ob bei Präsenzveranstaltungen auch wieder zur Anwesenheitspflicht zurückgekehrt wird, dazu konnte er noch keine verbindliche Aussage treffen. Er meint: „Wir sitzen alle im selben Boot. Wir würden alle gern wissen, wie es weitergeht.“

Fakultät für Psychologie und Bewegungswissenschaften

Etwas mehr als 20 Prozent der Lehrveranstaltungen im Wintersemester werden laut Dekanat als Präsenzlehre geplant. Sollten jedoch Abstandsregeln gelten, könnten laut Dekanat nur 10 Prozent der Räume überhaupt genutzt werden. Falls sich vor Semesterbeginn Beschränkungen wie diese abzeichnen, sollen bestimmte Lehrveranstaltungen priorisiert werden. „Hier möchten wir neben den sportpraktischen Veranstaltungen zunächst den Erstsemesterstudierenden eine reale Zusammenkunft ermöglichen“, teilte das Dekanat mit.

Fakultät für Medizin

„Wir planen das Semester in der Hoffnung, dass Präsenz in weiten Teilen, vermutlich mit Ausnahme der ganz großen Veranstaltungen, möglich und durchführbar ist“, sagt der Leiter des Prodekanats für Lehre, Athanasios Soulos. Im Gegensatz zu anderen Studiengängen gab es im Medizinstudium auch in den vergangenen Semestern Lehrveranstaltungen in Präsenz, vor allem praktische Anteile oder etwa die Anatomie-Kurse für Erstsemester. Auf diesen Erfahrungen könne man jetzt aufbauen, so Soulos. Theoretisch wäre eine Umstellung auf 100 Prozent Präsenzlehre möglich, aber „nach den vergangenen eineinhalb Jahren ist schwer vorstellbar, dass im Herbst und Winter wieder bis zu 400 Leute in einem Hörsaal zusammenkommen.“ Sollte es Beschränkungen geben, würden am ehesten die Vorlesungen wieder in digitaler Form durchgeführt, meint Soulos. Bei anderen Veranstaltungen wolle die Fakultät aber ungern von der Präsenzlehre abrücken. Soulos stellt klar: „Sollten wir wieder in hybrides Semester hineingehen, dann wird weiterhin die Auflage bestehen, dass es zu jeder Veranstaltung einen digitalen Ersatz geben wird.“