gelesen: Nachrichten aus Mittelerde

Mit diesem Buch können die Leser:innen wieder durch Mittelerde und seine Geschichte wandeln und dabei auch alte Gefährten wiedertreffen. (Foto: Svenja Tschirner)

Weite Reisen, tragische Helden und geschichtsverändernde Schlachten – all das gibt es nicht nur in unserer Vergangenheit, sondern auch da, wo neben Menschen unter anderem Elben, Zwerge und Hobbits leben, also in Mittelerde. Christopher Tolkien, Sohn des „Herr der Ringe“-Autors J. R. R. Tolkien, hat in einem neuen Buch weitere Geschichten seines Vaters herausgegeben.

Für diese Reise nach Mittelerde hat Christopher Tolkien eine Reihe von Geschichten und Aufzählungen seines Vaters zusammengestellt. Das Buch beginnt im ersten Zeitalter Mittelerdes, wo die Leser:innen zunächst Bekanntschaft mit zwei Menschen machen, deren Geschichten teilweise festgehalten sind. Mit dem Beginn des zweite Zeitaltes, geht es um die Insel Númenor. Zunächst wird diese Insel in ihrer Schönheit beschrieben. Anschließend wendet sich das Buch der Geschichte der Könige und Königinnen Númenors zu. Ihre Geschichte erklärt unter anderem, wann und wie die Númenórer in Mittelerde ankamen und dort erste Häfen bauten und es werden einige der Regeln der Numenórer erklärt, was etwa die Erbfolge der Königinnen und Könige betrifft, deren Linie ebenfalls festgehalten wird.

Somit wird auch deutlich, dass dieses Buch keine reine Sammlung von Erzählungen ist. Jedem Bericht, sei es nun eine Geschichte, eine Aufstellung oder Beschreibung, sind ausführliche Anmerkungen beigegeben, die noch einmal detailliertere Einblicke in die Geschehnisse geben. Am Ende des Buches findet sich zudem ein Register, welches die Namen kurz und knapp einordnet.

Editorisches und Sprachliches

Auch die Einleitung, die Christopher Tolkien dem Buch voranstellt, ist unbedingt lesenswert. Dort nennt er nicht nur seine Beweggründe für die Auswahl der zusammengestellten Berichte, sondern erläutert auch, wo er, falls nötig, Änderungen vorgenommen hat und in welchem Stadium der Bearbeitung die gedruckten Erzählungen sich befanden. Zudem zitiert er immer wieder aus Briefen seines Vaters, was die Einleitung sehr persönlich macht. Bei einigen Anmerkungen, die im Laufe des Buches zu lesen sind, fühlt man sich in das Arbeitszimmer J. R. R. Tolkiens versetzt. Zudem enthalten alle Berichte Querverweise zu anderen Veröffentlichungen, wie „Der Herr der Ringe“ oder „Silmarillion“.

Einige der Anmerkungen geben zudem einen etymologischen Einblick in die verschiedenen Sprachen, die in Mittelerde von den unterschiedlichen Völkern gesprochen werden. Zum Beispiel wird die Veränderung des Namens von Celeborn, Mann von Galadriel, einer der mächtigsten Elbinnen, durch die Übertragung der verschiedenen Elbensprachen ineinander erläutert oder die Herleitung mancher Namen oder Begriffe etwa aus dem Angelsächsischen dargelegt.

Die (alten) Gefährten

Selbstverständlich treffen die Leser:innen auch die bekannten Gefährten aus „Der Hobbit“ und „Der Herr der Ringe“ wieder. Verschiedene Geschichten erzählen beispielsweise von Schlachten, die den Geschehnissen in „Der Herr der Ringe“ vorangingen, ohne die der Verlauf dieser Geschichte aber ganz anders gewesen wäre. Auch erfahren die Leser:innen mehr über die Nazgûl, die neun Ringgeister und wie es beispielsweise dazu kam, dass sie die vier Hobbits bei deren Aufbruch im Auenland knapp verpassten. Auch die Aversionen Sarumans gegen Gandalf wird näher beleuchtet, ebenso die Geschichte und die Bedeutung der Palantíri, der sehenden Steine.

Eindrucksvolle Bilder

Die Erläuterungen zu Geschichte und Personen in Mittelerde sind an sich bereits sehr interessant und vielschichtig. Bereichert und geschmückt wird „Nachrichten aus Mittelerde“ aber besonders durch die farbigen Bilder, die einige der Erzählungen begleiten. Geschaffen wurden sie von Alan Lee, John Howe und Ted Nasmith, die alle drei immer wieder verschieden Werke Tolkiens illustrierten oder an den Verfilmungen von „Der Herr der Ringe“ beziehungsweise „Der Hobbit“ mitarbeiteten.

Die Bilder zeigen mit feinen Pinselstrichen und klaren Farben sowohl Landschaften und Städte als auch Personen von Mittelerde. Dabei lohnt es sich, die Bilder ausführlich zu betrachten, damit auch die feinen Details, wie Muster in den Säumen von Gewändern oder auf Rüstungen, gewürdigt werden können.

Fazit

Die von Christopher Tolkien herausgegebenen „Nachrichten aus Mittelerde“ liefern durch die Kombination aus Erzählungen, Anmerkungen und Einordnungen ein vielschichtiges Bild von Mittelerde und seiner Geschichte. Einige Personen und Gegebenheiten, die auch in „Der Hobbit“ oder „Der Herr der Ringe“ eine Rolle spielen, werden hier tiefergehend erläutert. Wie in den beiden Werken von J. R. R. Tolkien werden auch in diesen Geschichten viele Schlachten geschlagen und das Aufgebot an Heeren ist groß, ebenso wird viel gereist. Bereichert wird das Buch besonders durch die Bilder von Alan Lee, John Howe und Ted Nasmith.

„Nachrichten aus Mittelerde“ ist eine spannende und ergänzende Lektüre für alle, die gerne mehr über Mittelerde erfahren möchten. Dabei sollten sich die Leser:innen unbedingt Zeit zum Lesen und für die Bilder nehmen.

Autor
Herausgeber
J. R. R. Tolkien
Christopher Tolkien
VerlagKlett-Cotta
Preis35,00 Euro
Seitenzahl720 Seiten