Wo sind Manuela und Malu?

Sexismus darf nicht mehr in der Sprache verankert sein. Bildquelle: Pexels

Medien bilden nicht nur ab, sondern konstruieren Wirklichkeit, sagt der Soziologe Niklas Luhmann. Eine kritisierte Aussage, schließlich strebt man im Qualitätsjournalismus doch nach der vermeintlich unerreichbaren Objektivität. Insbesondere in der Genderdebatte wird oft behauptet, dass Journalist:innen Wertvorstellungen und politische Haltung in ihre Werke einfließen lassen, wenn sie gendern. Ich wundere mich: Ist ein journalistischer Beitrag nicht viel präziser und näher an der Wirklichkeit, gar objektiver, wenn gegendert wird?

In letzter Zeit wird viel über Ministerpräsidentenkonferenzen gesprochen, obwohl zwei der 16 Bundesländer von Frauen regiert werden. Mit der Realität stimmt diese Beschreibung demnach nicht überein und die Frauen verschwinden, als säßen sie nicht vor ihren Bildschirmen, um über die Zukunft Deutschlands zu debattieren.

Sprache stellt dar: Ich sehe, was ich lese und höre. Wird nicht gegendert, werden mehr als 50 Prozent der Gesellschaft in Nebenrollen gedrängt. Dabei geht es nicht nur um Frauen, sondern auch um die ohnehin marginalisierten diversen Menschen in Deutschland. Eine Norm des Journalismus ist es, Geschehenes möglichst realitätsnah zu beschreiben. Ausgedachtes hat dort keinen Platz. Wieso werden also Szenarien geschildert, die so nicht passieren?

Mich irritiert diese Praxis besonders, weil die deutsche Sprache bereits geschlechtergerechtere Buchstabenfolgen bietet. Ganz ohne Doppelpunkt oder Sternchen können zumindest Frauen und Männer adressiert werden. Wieso also nicht im Duden gelistete Begriffe anwenden? Dort existieren Politikerinnen. Gerne gleich noch einen Tastenanschlag mehr – für Diverse oder Diversys, wie es entgendert heißt.

Vielleicht ist es am Ende tatsächlich eine moralische Frage: Möchte ich, wie Rudolf Augstein es formuliert hat, „Sagen, was ist“ oder doch nur sagen, wie es vielleicht sein könnte? Ob Malu Dreyer und Manuela Schwesig an den besagten Konferenzen an- oder abwesend waren, wissen wir nicht. Vielleicht wurden sie mitgemeint, vielleicht auch nicht. Liebe Medien: Sagt doch bitte einfach, wie es war.