Liebe im Wohnheim: Fast wie in How I Met Your Mother

Lisa und Eyad leben auf einem Flur in einem Studierendenwohnheim in Alsterdorf. (Foto: Mariya Abramova)

Das Studierendenwohnheim ist eine unterschätzte Art der Partnervermittlung. Das zeigt das Beispiel von Lisa und Eyad, die mit 16 Mitbewohner*Innen auf einem Flur in einem Hamburger Studierendenwohnheim leben. Sie sind aber mehr als nur Mitbewohner. Sie haben Gefühle füreinander, so sagen sie es selbst.

Die Kennenlerngeschichte von Lily und Marshall aus der Serie How I Met Your Mother wurde dort immer wieder thematisiert. Im Studierendenwohnheim brauchte Lily Hilfe beim Installieren ihrer Stereoanlage. Durch Zufall klopfte sie an die Tür von Marshall, den sie im Laufe der Serie heiratet.

Auch Lisa und Eyad (Namen von der Redaktion geändert) lernten sich im Studierendenwohnheim kennen, als Lisa gerade eingezogen ist. In der Gemeinschaftsküche reden sie zum ersten Mal Miteinander und verstehen sich auf Anhieb.

Studierendenwohnheime haben eher einen durchwachsenen Ruf. Nur 12 Prozent der Studierenden entscheiden sich beim Umzug zum Studienort für ein Wohnheim, schreibt die „Zeit“. Zum Vergleich: 26 Prozent ziehen in eine Wohngemeinschaft. Wenn die Wahl auf ein Wohnheim fällt, dann eher aus der Not heraus, weil es die einzige Option ist und die Preise verhältnismäßig günstiger sind.

3084 km

Dass sie sich begegnet sind, haben sie vor allem der Zuteilung der Wohnheimleitung zu verdanken. Hätte diese ihre Bewerbung nicht akzeptiert, wären sie sich vielleicht nie begegnet. Die Geburtsorte der beiden liegen nämlich 3084 km auseinander. Lisa kommt aus Österreich und Eyad aus Syrien. Ihre Wege kreuzten sich zum ersten Mal in der Wohnheimküche in Hamburg Alsterdorf.

Eyad ist wegen des Krieges aus Syrien geflohen. Er erzählt von Bombenabwürfen auf seine Heimatstadt, Abwasserleitungen, die vor Überlastung brachen und Exkremente auf die Straßen schwemmten. Eyad und seine Familie sahen sich gezwungen zu fliehen. Er sagt das mit einer unfassbaren Ruhe in seiner Stimme, so als hätte er das Notwendige hingenommen.

Da er sich um einen Studienplatz bewarb, klappte es mit dem Visum für Deutschland. Seine Familie floh nach Schweden. Ihm gefällt Hamburg, aber zuhause fühlt er sich noch nicht ganz: „Man kann die Heimat nicht ersetzen.“

Und wie kam Lisa nach Hamburg? Eigentlich wollte sie in Wien studieren. Ihren Studiengang gab es aber nur hier.

Zufällig stießen beide, die vor ihrem Umzug noch nie in Hamburg waren, im Internet auf das Wohnheim. Als Alternative zu einer WG, um besser Anschluss zu finden, wenn alles ohnehin online ist. „Was ganz gut geklappt hat“, sagt sie und schaut Eyad grinsend an.

Ihr erstes Date hatten die zwei an dem Dating-Spot in Hamburg schlechthin: der Außenalster.
Anfangs war Lisa sich nicht sicher, ob es so gut ist, etwas mit ihrem Mitbewohner anzufangen. Jetzt sagen aber beide, wie praktisch es ist, ein paar Beziehungsstufen übersprungen haben und automatisch zusammen zu wohnen. „Es ist gut“, sagt Eyad, „man klopft einfach und fragt: Willst du raus? Oder: Willst du was essen?“.
Bei einem Streit ist der Flur dann aber doch manchmal zu eng. Man kann sich nicht aus dem Weg gehen.

„Bei uns muss man sowas verheimlichen“

Trotz der kulturellen Unterschiede ist ihr Verständnis von Liebe ähnlich – der Umgang jedoch völlig anders. „Bei uns muss man sowas verheimlichen, also dass wir miteinander schlafen“, erklärt Eyad. Seine Mutter und seine Geschwister denken, er und Lisa seien nur Freunde, sein Vater weiß gar nichts von Lisa. Große Schuldgefühle haben ihn am Anfang geplagt. Aber er hat abgewogen, und ist zu dem Entschluss gekommen, dass das nichts Schlimmes ist, auch wenn seine Religion, der Islam, Sex vor der Ehe eigentlich verbietet.

Lisa schickt ihrer Familie dagegen regelmäßig Fotos von ihr und Eyad, auch beim Facetimen ist er oft dabei. „Meine Eltern sind super offen“, sagt sie. Mit Vorurteilen musste sie sich nicht auseinanderssetzen. Für Lisa ist Eyad viel weltoffener als ihre Ex-Freunde, man könne mit ihm über alles reden und die Diskrepanzen wegen des kulturellen Unterschieds seien minimal. „Zum Glück sind die Normen in Deutschland, dieselben wie in Österreich. Für Eyad war die Umstellung wahrscheinlich krasser“ fügt Lisa noch lächelnd hinzu.
„Ich bin jetzt seit fünf Jahren hier, ich habe mich eingelebt“, sagt er und muss auch lächeln.

Ob man anhand von Lilys und Marshalls Geschichte den Weg von Lisa und Eyad vorhersagen kann? Wohl eher nicht. Immerhin ist das nur Fiktion und nicht das wahre Leben. Aber zumindest der Anfang ist fast wie in How I Met Your Mother.