gelesen: Die Romanfabrik von Paris

Alexandre Dumas und Anna Gräfin Dorn reisen durch drei Länder, um einem Schurken das Handwerk zu legen. Foto: Svenja Tschirner

Fantasie und Poesie, diese wunderbare Eigenschaften des menschlichen Geistes haben schon viele zu großen Autoren werden lassen. So auch Alexandre Dumas, dessen Bücher immer noch viele Kinder und Erwachsene zu Musketieren oder rächenden Grafen machen können. Von ihm und seinen Geschichten handelt Dirk Husemanns neues Buch „Die Romanfabrik von Paris“.

Allerdings geht es nicht nur um Alexandre Dumas schriftstellerische Werke, wie beispielsweise „Die drei Musketiere“. Neben ihm ist die Protagonistin des Buches die verwitwete, querschnittsgelähmte, deutsche Gräfin Anna Dorn. Sie kommt im November des Jahres 1851 nach Paris, um die Kinder eines Lübecker Fischgroßhändlers zu unterrichten. Gleich in ihrer ersten Stunde wird sie von diesen mit Dumas‘ Geschichten konfrontiert – und ist entsetzt von der Wollust und Anzüglichkeit der Texte.

Sie geht daraufhin erst zur Polizei und dann zur Zensurbehörde, um gegen die Veröffentlichung der Texte in Dumas‘ eigener Zeitung, Le Mousquetaire, vorzugehen und trifft so das erste Mal persönlich auf den Schriftsteller. Sie sucht ihn, gemeinsam mit Zensoren, in seinem Chateau Monte Christo auf. Dort betreibt Dumas die titelgebende Romanfabrik, wo er Autoren beschäftigt, die seine Geschichten schreiben.

Alexandre Dumas wiederum steckt wie so oft in Geldnöten und wird von einem ihm Fremden, dem stattbekannten und gefeierten Magnetiseur Etienne Lemaitre, einer Art Hypnotiseur, aufgesucht. Er will ihm drei Amulette abkaufen und bietet dafür so viel Geld, dass Dumas saniert wäre.

In Lemaitres Residenz treffen Anna und Alexandre erneut aufeinander und die Geschehnisse wenden sich zu einer Verfolgungsjagd Lemaitres durch drei Länder. Denn dieser versucht, mit der Macht der drei Amulette Europa ins Chaos zu stürzen, um daraus als Herrscher hervorgehen zu können. Von den dreien ist eins in Frankreich, eines in England und eines in Russland, jeweils in verschiedenen Museen.

Character-Building light

Nicht nur deshalb jagen Anna und Alexandre hinter ihm her. Der Schurke ist vom Charakter her sehr flach gehalten und schlicht und ergreifend böse. Er mordet, intrigiert und manipuliert alles und jeden, um seine Ziele zu erreichen und weidet sich an der Verzweiflung und Machtlosigkeit seiner Opfer genauso wie am Gefühl der Macht. Und auch sein Helfer betrügt, wie es ihm so passt.

So ist Lemaitre auch für den Selbstmord von Annas Ehemann Tristan Graf Dorn und ihre Querschnittslähmung verantwortlich. Das ist zunächst der Hauptgrund für sie, ihn zu verfolgen. Alexandre hingegen will von ihm erst einmal hauptsächlich das versprochene Geld. Abgesehen davon hat Lemaitre einen der Autoren der Romanfabrik auf seine Seite gezogen und lässt ihn in Dumas‘ Namen Staatsgeheimisse veröffentlichen, die der Magnetiseur mittels Hypnose erlangt hat. Aufgrund dieser Publikationen muss Alexandre fliehen, um nicht wegen Hochverrats hingerichtet zu werden.

Sowohl Anna als auch Alexandre sind klar die Guten. Ihre Charaktere haben dabei mehr Tiefe als die der Schurken. Sie ist etwas prüde, aber dafür energisch und stets darauf bedacht, das zu tun, was sie für das Richtige hält, sowohl für sich als auch für andere. Erst im Verlauf der Handlung erfahren die Leser*innen, dass sie an Spielsucht litt und dadurch überhaupt mit Lemaitre in Kontakt kam, was schließlich zu den schweren Schicksalsschlägen in ihrem Leben führte.

Dumas der Echte

Dumas wiederum ist ein absoluter Lebemann, der kein Händchen für Geld hat. Dafür versteht er es aber, die Leute zu bezirzen, damit sie ihm etwas leihen. Er lebt wie seine Romanhelden, in vollen Zügen und als Kavalier der Damenwelt gegenüber.

Die Romangestalt von Alexandre Dumas lehnt sich nur an den tatsächlichen Autor an. Dies wird im Nachwort des Romans erklärt und kann als dichterische Freiheit eingeordnet werden. Auch die historischen Begebenheiten, die Husemann schildert, haben zwar nur einen kleinen wahren Kern, werden aber in Teilen im Nachwort des Buches eingeordnet.

Fazit

„Die Romanfabrik von Paris“ ist ein unterhaltsamer und gut geschriebener Roman. Auch wenn Dirk Husemann es mit den historischen Begebenheiten stellenweise nicht allzu genau nimmt lernen die Leser*innen ein wenig über die Zeit Mitte des 19. Jahrhunderts und über die Arbeit von Alexandre Dumas als Schriftsteller. Für die historischen Fakten ist es zudem empfehlenswert, das Nachwort des Autors zu lesen. Dieser Roman ist eine Empfehlung für alle, die sich gerne von spannender Lektüre unterhalten lassen wollen.

AutorDirk Husemann
VerlagBastei Lübbe
Preis12,90 Euro
Seitenzahl480